Biokraftstoffe - Rechtliche Rahmenbedingungen

EU Biokraftstoff-Richtlinie 2003/30/EG und nationale Umsetzung in Österreich 

Die Richtlinie 2003/30/EG zur Förderung der Verwendung von Biokraftstoffen oder anderen erneuerbaren Kraftstoffen im Verkehrssektor (Biokraftstoff-Richtlinie) sollte sicherstellen, dass in den einzelnen Mitgliedstaaten ein Mindestanteil an „Biokraftstoffen“ und „anderen erneuerbaren Kraftstoffen“ auf ihren Märkten in Verkehr gebracht wird. Die nationalen Richtwerte sollen sich dabei an den indikativen Zielen der Richtlinie orientieren – bis zum 31. Dezember 2005 2 % und bis Ende 2010 5,75 % aller Otto- und Dieselkraftstoffe für den Verkehrssektor, gemessen am Energieinhalt, zu substituieren. Mit Inkrafttreten der Richtlinie zur Förderung erneuerbarer Energieträger (2009/28/EG) trat die Biokraftstoffrichtlinie außer Kraft.

In Österreich wurde im November 2004 die Biokraftstoff-Richtlinie im Rahmen der Novelle der Kraftstoffverordnung in nationales Recht umgesetzt. Darin wurden jene Stellen, die fossile Treibstoffe in Verkehr bringen dazu verpflichtet, ab 1. Oktober 2005 2,5 % (energetisch) der gesamten in Verkehr gebrachten fossilen Otto- und Dieselkraftstoffe durch Biokraftstoffe zu ersetzen (Zielerreichung durch Beimischung von knapp 5 Volumsprozent Biodiesel zu Dieselkraftstoffen). Ab 1. Oktober 2007 erhöhte sich der Prozentsatz auf 4,3 % (zusätzliche Beimischung von Bioethanol zu Ottokraftstoffen), schon ab 1. Oktober 2008 war das Richtlinienziel von 5,75 % zu erreichen.

Mit 1. Oktober 2008 wurde somit in Österreich die Substitutionsverpflichtung laut Kraftstoffverordnung auf 5,75 % erhöht. Das bedeutet, dass der Anteil der Biokraftstoffe gemessen an der Gesamtsumme der in Verkehr gebrachten Treibstoffe 5,75 % energetisch erreichen muss, sei es zum Beispiel durch Biodiesel (als Beimischung oder Reinkraftstoff), Bioethanol (als Beimischung oder E85), Biogas oder auch durch reines Pflanzenöl (z.B. in der Landwirtschaft).

Im Rahmen der erneuten Novelle der Kraftstoffverordnung im Jahr 2009 wurden zusätzlich zum gesamtösterreichischen Substitutionsziel von 5,75 % auch unternehmensspezifische Teilziele von 3,4 % für Ottokraftstoffe und von 6,3 % für Dieselkraftstoff (jeweils energetisch) eingeführt. Durch eine Differenzierung bei Otto- und Dieselkraftstoff wird es den Substitutionsverpflichteten ermöglicht, in Abhängigkeit der in Verkehr gebrachten Kraftstoffarten die jeweiligen Substitutionsziele zu erfüllen. Um die höhere Substitutionsquote von 6,3 % für Dieselkraftstoff erreichen zu können, hat die Mineralölindustrie mit Februar 2009 die Biodieselbeimischung von knapp 5 auf 7 Volumsprozent erhöht. Die dazu notwendige ÖNORM C 1590 ist bereits mit Oktober 2008 in Kraft getreten. Das 3,4 %-Teilziel für Ottokraftstoffe kann einerseits durch die Beimischung von derzeit knapp 5 Volumsprozent Bioethanol oder die normgerechte Beimischung von Bio-ETBE (Ethyl-Tertiär-Butylether zur Verbesserung der Klopffestigkeit) erreicht werden. Andererseits ist in diesem Zusammenhang auch das Inverkehrbringen von Superethanol E85 mit bis zu 85 % Bioethanolanteil möglich.

Richtlinie Erneuerbare Energien & Kraftstoffqualität

Der Europäische Rat und das Europäische Parlament haben im Dezember 2008 sowohl die Richtlinie zur Förderung erneuerbarer Energien als auch die Richtlinie zur Qualität von Kraftstoffen beschlossen. Mit diesen beiden Rechtsakten, die Anfang Juni 2009 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht wurden, werden zukünftig maßgebliche und EU-weite Rahmenbedingungen für Biokraftstoffe festgelegt.

So sieht die Richtlinie 2009/28/EG zur Förderung erneuerbarer Energien unter anderem vor, dass in allen EU Mitgliedstaaten der Anteil an Energie aus erneuerbaren Quellen im Verkehrssektor 2020 mindestens 10 % beträgt. Dieser Anteil schließt sowohl Biokraftstoffe der ersten und zweiten Generation als auch Wasserstoff und Strom, der aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird, ein. Biokraftstoffe die aus Abfällen, Reststoffen, zellulosehaltigem Non-Food Material und lignozellulosehaltigem Material hergestellt werden und daher nicht mit der Nahrungs- und Futtermittelproduktion konkurrieren, werden gegenüber sonstigen Biokraftstoffen doppelt gezählt. Für Strom aus erneuerbaren Quellen, der von Elektroautos verwendet wird, wird das 2,5-Fache der Einspeisung angerechnet. Die Richtlinie legt außerdem verschiedene Nachhaltigkeitskriterien verbindlich fest, um so eine umweltfreundliche Produktion von Biokraftstoffen in der EU und in Drittländern zu gewährleisten. Beispielsweise müssen Biokraftstoffe gegenüber fossilen Kraftstoffen mindestens 35 % an Treibhausgasen einsparen, um für das 10 %-Ziel angerechnet werden zu können bzw. um hinsichtlich der Möglichkeit finanzieller Förderung berücksichtigt zu werden. Ab 2017 erhöht sich dieser Prozentsatz für Biokraftstoffe, die in bestehenden Anlagen produziert werden, auf mindestens 50 %. Für Neuanlagen, deren Produktion am oder nach dem 1. Jänner 2017 aufgenommen wird, muss die Minderung der Treibhausgasemissionen ab 2018 dann mindestens 60 % betragen. Des Weiteren dürfen Biokraftstoffe nicht aus Rohstoffen hergestellt werden, die auf Flächen mit hohem Wert hinsichtlich der biologischen Vielfalt (z.B. Regenwälder, Naturschutzgebiete) oder mit hohem Kohlenstoffbestand (z.B. Feuchtgebiete) erzeugt werden. Ausgeschlossen sind auch Gebiete, die im Januar 2008 Torfmoor waren. Die Europäische Kommission wird darüber hinaus beobachten, ob Kriterien, die eine soziale Nachhaltigkeit gewährleisten sollen, wie zum Beispiel die Beachtung von Landnutzungsrechten lokaler Gemeinschaften oder das Verbot von Kinderarbeit, bei der Produktion eingehalten werden und gegebenenfalls Korrekturmaßnahmen vorschlagen.

Die Richtlinie 2009/30/EG zur Qualität von Kraftstoffen zielt unter anderem darauf ab, die während Herstellung, Transport und Nutzung von Kraftstoffen verursachten Treibhausgasemissionen bis 2020 um bis zu 10 % zu senken. Anbieter von Kraftstoffen müssen die Treibhausgasemissionen bis 2020 verbindlich um 6 % senken. Die Reduzierungen könnten zum Beispiel durch die Verwendung von mehr Biokraftstoffen oder durch die Verringerung des Abbrennens von Restgasen bei der Ölförderung und -verarbeitung erreicht werden. Eine zusätzliche unverbindliche Reduzierung um 2 % kann durch einen stärkeren Einsatz von Elektrofahrzeugen oder durch neue Technologien zur Einsparung von Treibhausgasen - wie der geologischen Speicherung von Kohlendioxid - erzielt werden. Außerdem ist eine weitere unverbindliche Reduzierung von 2 % über Gutschriften anzustreben, die für Projekte zur Reduzierung von Emissionen in Entwicklungsländern im Rahmen des "Clean Development Mechanism" der Vereinten Nationen erworben werden können.

Die beiden genannten EU-Richtlinien wurden in Österreich im Rahmen einer Überarbeitung der Kraftstoffverordnung umgesetzt. Die Kraftstoffverordnung 2012 wurde am 3. Dezember 2012 im BGBl. II Nr. 398/2012 veröffentlicht.

Durch die Kraftstoffverordnung 2012 werden Biokraftstoffe folgendermaßen definiert:

„Biokraftstoffe“ sind flüssige oder gasförmige Kraftstoffe für den Verkehr, die aus Biomasse hergestellt werden. Unter den Begriff „Biokraftstoffe“ fallen insbesondere nachfolgende Erzeugnisse, sofern diese als Kraftstoff oder Kraftstoffbestandteil zum Betrieb von Fahrzeugverbrennungsmotoren verwendet werden:

a)   „Bioethanol“ ist ein aus Biomasse hergestellter unvergällter Ethanol mit einem Alkoholanteil von mindestens 99 % v/v.

b)    „Fettsäuremethylester“ (FAME, Biodiesel) ist ein aus pflanzlichen oder tierischen Ölen oder Fetten hergestellter Methylester.

c)    „Biomethan“ ist ein aus Biomasse mittels Pyrolyse oder Gärung hergestelltes und auf Erdgasqualität aufgereinigtes Biogas.

d)   „Biomethanol“ ist ein aus Biomasse hergestellter Methanol.

e)   „Biodimethylether“ ist ein aus Biomasse hergestellter Dimethylether.

f)     „Bio-ETBE“ (Ethyl-Tertiär-Butylether) ist ein auf der Grundlage von Bioethanol hergestellter ETBE mit einem auf den Energiegehalt bezogenen anrechenbaren Anteil aus erneuerbarer Energie von 37 %.

g)    „Bio-MTBE“ (Methyl-Tertiär-Butylether) ist ein auf der Grundlage von Biomethanol hergestellter MTBE mit einem auf den Energiegehalt bezogenen anrechenbaren Anteil aus erneuerbarer Energie von 22 %.

h)   „Synthetische Biokraftstoffe“ sind aus Biomasse in industriellen Verfahren gewonnene Kohlenwasserstoffe oder Kohlenwasserstoffgemische.

i)     „Biowasserstoff“ ist ein aus Biomasse hergestellter Wasserstoff.

j)    „Reines Pflanzenöl“ ist ein durch Auspressen, Extraktion oder vergleichbare Verfahren aus Ölsaaten gewonnenes, chemisch unverändertes Öl in roher oder raffinierter Form.

k)     „Superethanol E 85“ sind in einem Steuerlager gemäß § 25 Abs. 2 des Mineralölsteuergesetzes 1995, BGBl. Nr. 630/1994, in der Fassung des Bundesgesetzes BGBl. I Nr. 111/2010, hergestellte Gemische, die im Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 31. März (Winterhalbjahr) einen Gehalt an Bioethanol von mindestens 65 % und höchstens 75 % v/v und im Zeitraum vom 1. April bis zum 30. September (Sommerhalbjahr) von mindestens 75 % und höchstens 85 % v/v aufweisen.

l)     „Hydrierte pflanzliche oder tierische Öle“ (Hydrotreated Vegetable Oil – HVO) sind in Hydrieranlagen bzw. in Co-Hydrieranlagen aus pflanzlichen oder tierischen Ölen oder Fetten hergestellte Kohlenwasserstoffe.

 

Biodiesel

Biodiesel ist ein nach seiner Verwendung dem konventionellen Dieselkraftstoff entsprechender biogener Kraftstoff, welcher im Gegensatz zu fossilem Dieselkraftstoff nicht aus Rohöl, sondern aus frischen und gebrauchten pflanzlichen Ölen sowie tierischen Fetten hergestellt werden kann und somit einen erneuerbaren Energieträger darstellt. Chemisch handelt es sich bei Biodiesel um Fettsäuremethylester (FAME) welcher in der Norm der europäischen Union EN 14214 definiert ist und sich in die Marktsegmente der Beimengung zu herkömmlichen Dieselkraftstoff (B7-Markt) sowie in die Reinverwendung (B100-Markt) teilt. Biodiesel wird bereits seit Mitte der 1990iger Jahre industriell in Österreich hergestellt und kann in Bezug auf die Verwendung in Österreich auf einige Best-Practice-Beispiele verweisen. 

Biodieselproduktion in Österreich

Insgesamt haben die österreichischen Biodieselproduzenten laut Biokraftstoffbericht des BMLFUW im Jahr 2015 340.242 Tonnen Biodiesel produziert. Diese Menge hat in etwa 56 % des inländischen Verbrauchs an nachhaltigem Biodiesel abgedeckt.  Den größten Anteil der eingesetzten Ausgangsstoffe hat Raps mit knapp zwei Drittel der Gesamtmenge. Tierische Fette, Altspeiseöle und Fettsäuren, die aus dem Abfallregime stammen, stellen die restlichen 38 %. Entsprechend den in elNa gemeldeten Daten wird in Österreich kein Palmöl für die Produktion von Biodiesel verwendet.  In Summe setzt die heimische Biodieselindustrie vollständig auf europäische Rohstoffe aus nachhaltiger Produktion und auf die Verwertung von Abfallstoffen.

Produktionsverfahren  

Die Erzeugung erfolgt durch Auspressen oder Extrahieren des in der Ölsaat (z. B. Raps, Sonnenblume) enthaltenen Öles. Der Presskuchen bzw. der Extraktionsschrot kann wiederum als Futtermittel eingesetzt werden. Das gereinigte Pflanzenöl wird anschließend durch Zugabe von ca. 10 % Methanol und einem Katalysator zu Biodiesel verestert. Bei der Produktion von Biodiesel entstehen keine Abfälle, da der eingesetzte Katalysator als Düngemittel sowie das anfallende Glycerin als wichtige Substanz in der Pharmaindustrie eingesetzt werden kann.   

 
Umweltbilanz

Biokraftstoffe stellen einen sinnvollen Bestandteil zur Reduktion vor allem der Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor und damit einen sinnvollen Beitrag zum Klimaschutz dar. Vor allem Biodiesel erweist sich dabei abhängig von den Rohstoffen aus welchen er hergestellt wird (pflanzliche Frischöle oder Abfallstoffe wie zum Beispiel Altspeiseöl bzw. Tierfette) sowie unter Berücksichtigung der Verwertung der Koppelprodukte als ökologisch äußerst vorteilhaft. Bis dato erweist sich die Beimengung von Biokraftstoffen zu herkömmlichen fossilen Kraftstoffen als wichtige und zielführende Maßnahme in Bezug auf die ambitionierten nationalen aber auch internationalen Ziele im Bereich des Klimaschutzes.   

Rohstoffe

Biodiesel kann aus einer breiten Palette von frischen aber auch bereits gebrauchten pflanzlichen wie tierischen Ölen und Fetten hergestellt werden. Hierbei sei angemerkt, dass diese Substanzen keinen Hauptbestandteil der menschlichen Ernährung darstellen. Ferner werden laut dem Internationalen Getreiderat (IGC) lediglich 7 % der weltweiten Pflanzenölproduktion für die globale Biodiesel-Produktion verwendet. Doppelt so viele Öle wurden schon seit Jahrzehnten in der Hygieneartikel- (Seifen, etc.) und Waschmittelproduktion eingesetzt.

Reizthema PALMÖL

Palmöle werden aufgrund ökologischer aber auch ökonomischer Überlegungen in Österreich bewusst nicht als Rohstoffe eingesetzt. Natürliche Eigenschaften des Palmöls als Rohstoffe für die Biodiesel-Produktion bringen den Umstand mit sich, dass Palmöle aufgrund der vor allem im Winter vorherrschenden klimatischen Bedingungen in Österreich (Minustemperaturen) nicht einsetzbar sind. Aus diesem Grund scheidet Palmöl als Rohstoff für die Biodiesel-Produktion in Österreich aus.

Kontakt/Ansprechpartner

DI Dr. Reinhard Thayer

05 90 900 - 3365

thayer@fcio.at

Produktionsdaten

Hier finden Sie die Biodiesel- und Bioethanolproduktionsdaten der ARGE Biokraft Mitglieder. Die ARGE Biokraft wurde im November 2015 aufgelöst.

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Biokraftstoffberichte Österreich

Hier finden Sie die österreichischen Biokraftstoffberichte, die gemäß Art. 4, Abs. 1 der Richtlinie 2003/30/EG jährlich an die Europäische Kommission übermittelt werden.

 

2004

deutsch

englisch

2005

deutsch

englisch

2006

deutsch

englisch

2007

deutsch

englisch

2008

deutsch

englisch

2009

deutsch

englisch

2010

deutsch

englisch

2011

deutsch

englisch

2012

deutsch

nicht verfügbar

2013

deutsch

nicht verfügbar

2014

deutsch

nicht verfügbar

2015

deutsch

nicht verfügbar

2016

deutsch

nicht verfügbar

 

 

 

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